Der Weg ist das Ziel

Oder so ähnlich. Wie meinte mein Airbnb Mitbewohner so schön, die ersten Tage in China sind einfach a pain in the ass. Etwas, was ich zu hundert Prozent bestätigen kann, denn ich bin gerade mal zwei Tage in Chengdu und schon genervt von der Lauferei und der Umständlichkeit von allem. Schnelles arbeiten ist hier definitiv ein Fremdwort.

Schon am Flughafen in Peking habe ich einen kleinen Vorgeschmack bekommen, nachdem ich Ewigkeiten in der Passkontrollschlange stand. Als ich irgendwann endlich relativ weit vorne stand, hat der Beamte ungelogen eine halbe Stunde gebraucht um fünf Pässe einer russischen Familie zu kontrollieren. Da wird im System gleich drei Mal nachgeschaut ob alles ordnungsgemäß ist und ob das Passfoto der Realität entspricht. Durch das lange Anstehen habe ich im Endeffekt auch meinen Anschlussflug verpasst.

Sonntag Nachmittag endlich in meinem Zimmer angekommen, wollte ich mir erstmal eine chinesische SIM-Karte holen und dann nur noch schlafen. Leider saß ich in dem kleinen Handyladen auch mehr als eine Stunde, da mein deutsches iPhone nicht hundertprozentig mit einer chinesischen SIM-Karte kompatibel ist, so kann ich lediglich das Internet nutzen, aber nicht telefonieren. Abends war ich dann so erschöpft, dass ich mir nur noch schnell etwas zu Essen und Trinken geholt habe und sofort ins Bett bin.

Montagmorgen ging es zuerst zum Sichuan International Health Care Center, um mich der Physical Examination for Foreigner zu unterziehen. Jeder Ausländer, der länger als ein halbes Jahr in China bleiben möchte muss sich dieser unterziehen, um das erst einmal für 30 Tage ausgestellte Visum in eine Aufenthaltsgenehmigung umwandeln zu können. Und man wird tatsächlich von Kopf bis Fuß untersucht: Blut, Urin, EKG, Ultraschall von Brustkorb und Blase, Röntgenbild der Lunge, Nase / Augen / Ohren, Gewicht, Größe und Blutdruck. Der Spaß kostet dann ca. 60€. Da ich nicht genug Bargeld dabei hatte musste ich „schnell“ zur Bank Geld wechseln. Im Endeffekt habe ich dort eineinhalb Stunden verbracht, weil alles zwanzig Mal nachgeprüft werden musste und der Dame hinter dem Schalter nach einer halben Stunde aufgefallen ist, dass ihr Computer kaputt ist oder sowas. Nachdem ich endlich bezahlt hatte, ging es zu International Office der Uni um mich zu registrieren. Dort herrschte, wie fast schon erwartet, Chaos und Drängelei. Irgendwann habe ich es geschafft einer Chinesin meine Unterlagen in die Hand zu drücken, die daraufhin meinte, ich müsse wegen meines Stipendiums erst ein chinesisches Konto eröffnen, um mich registrieren zu können. Ich also zur Bank. Da auf dem wichtigsten Zertifikat allerdings mein zweiter Name fehlte wurde ich wieder zurück zur Uni geschickt, um das Ganze richtig zu stellen. Wieder an der Uni hieß es auf einmal, ich bräuchte doch kein chinesisches Konto, da ich nur ein Halbstipendium habe, aber dafür brauche zuerst eine feste chinesische Adresse. Mit der muss ich mich bei der Polizei registrieren, damit ich mich an der Uni fertig registrieren kann.

Das bringt mich auch gleich zum nächsten Thema, der Wohnungssuche in China. Hier muss man sehr aufpassen als Ausländer nicht über den Tisch gezogen zu werden. Über eine neue Bekanntschaft habe ich Kontakt mit einer englischsprechenden Agentin aufgenommen, die mir noch sofort am Montag eine Wohnung gefunden hat. Die Besichtigung war zufriedenstellend und heute Morgen sollte ich zur Vertragsunterzeichnung vorbeikommen. Als ich dort war, kam ein Anruf des Eigentümers bei der Agentin, ich würde die Wohnung doch nicht bekommen. Meine Laune war dann erst mal im Keller. Aber das Glück meinte es schließlich doch nicht so schlecht mit mir und so hat die Agentin nur wenige Stunden später eine neue Wohnung für mich gefunden. Näher an der Uni, näher am Stadtzentrum, in der Nähe von Restaurants und Bars und vor allem billiger. Perfekt. Morgen wird der Vertrag unterschrieben und diesmal habe ich eine sichere Zusage.

Und sonst so? Ehrlich gesagt konnte ich noch nicht sehr viel von der Stadt entdecken oder genießen, da eben für alle offiziellen Sachen so viel Zeit draufgeht. Morgen früh steht der Einstufungstest meiner Chinesischkenntnisse auf der Tagesordnung, danach die Vertragsunterzeichnung für die Wohnung, anschließend muss ich mich bei der Polizei und an der Uni fertig registrieren und gegen 17 Uhr kann ich schließlich die Ergebnisse meiner ärztlichen Untersuchung abholen. Donnerstag muss ich letztlich noch mein Visum umwandeln und ein Konto eröffnen und dann kann ich hoffentlich etwas durchatmen. Beziehungsweise mich meiner neuen Wohnung widmen, die erst mal grundgereinigt werden muss. Das Sauberkeitsverständnis ist hier leider auch etwas anderes.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Heiko Schaad sagt:

    Hallo Julia,
    Es ist sehr interessant, Deinen Bericht zu lesen. Dein Bruder Johannes hat sich über die ein, oder andere Passage sehr amüsiert 😉👍

    Wir drücken Dir ganz fest die Daumen, dass mit Deinen restlichen organisatorischen Themen alles glatt geht und Du in Deiner ersten Woche nicht völlig verzweifelst.

    Alles Liebe aus Mainz Papa und Johannes 😘

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  2. Da hast Du in den zwei ersten Tagen ja schon allerhand erlebt. Wenn das so weiter geht, haben wir wirlich viel zu lesen 😉
    Wir drücken die Daumen für die Wohnung. Alles andere wird schon 🙄…
    … und leg die Maßstäbe nicht so hoch – dann ist alles gleich viel entspannter 😎.
    Ganz viele liebe Grüße 😘😘😘

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  3. Eva sagt:

    Liebe Julia,
    echt steil, was Du Dir zutraust. Stark, wie Du Deinen Weg gehst. Mehr noch als vor Beginn Deines Studiums bin ich davon überzeugt, daß Du die richtige Entscheidung getroffen hast.
    Ich wünsche Dir viel Geduld :-), eine gute Auffassungsgabe (hast Du ja eh), liebevolle und verständnisvolle Menschen um Dich, Bewahrung und reichen Segen.
    Und gönn` Dir erstmal einen schönen Eisbecher (oder sowas), wenn Du die Anfangsadministration erledigt und Dich ordentlich ausgeschlafen hast.
    Liebe Grüße und Segen
    (Onkel) Jörg

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  4. Eveline Schaad sagt:

    Hallo Julia,
    Deine Erlebnisse der ersten Tage sind gigantisch, es ist schön das alles lesen zu können. Wir werden uns auf weitere Ereignisse freuen. Lasse es nun ruhig angehen , mit viel Geduld bekommst du das alles hin.
    Wir wünschen dir alles liebe und sind in Gedanken immer bei dir. Dem Auge fern aber im Herzen ganz nah. Herzliche Grüße von
    Oma u. Opa👍🏻😘❤️🙋🏻

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