Der Lugu See (泸沽湖) – Heimat der Mosuo

Was macht man wenn durch ungefähr 850 Kilometer von der besten Freundin getrennt wird? Richtig, man sucht sich irgendwas Schönes in der Mitte und macht einen spontanen Wochenendtrip. Genau das haben Caro und ich letztes Wochenende gemacht, denn wer sich in Sichuan oder Yunnan aufhält, sollte auch auf keinen Fall den Lugu-See verpassen. Mit einer Höhe von fast 2700 Metern über dem Meeresspiegel gehört er zu einer der größten Gebirgsseen Asiens und ist außerdem Heimat der Mosuo, einer der vielen chinesischen Minderheiten.

Die Mosuo gehören offiziell zur Mindertheit der Naxi, sehen sich jedoch als eigene Volksgruppe. Die meisten von ihnen sind Buddhisten, einige von ihnen essen beipsielsweise auch kein Fleisch. Traditionell leben die Mosuo in einer matrilinearen Gesellschaftsstruktur, sodass der Frau innerhalb der Familie eine viel wichtigere Rolle zukommt als dem Mann. Sowohl die landwirtschaftliche und häusliche Arbeit ist Aufgabe der Frauen, Männer sind nur für körperlich sehr anstrengende Arbeiten, das Vieh und Beerdigungen zuständig. Viele Mosuo leben in großen Familien zusammen, meistens ist die älteste Frau der Familie diejenige, die das Geld verwaltet und alle wichtigen Entscheidung trifft. Eine weitere Besonderheit der Mosuo ist die Durchführung der sogenannten Wanderehe. Eine Frau lebt demnach nicht mit ihrem Geliebten zusammen, sondern wird nur nachts von diesem besucht. Außerdem kann sie mehrere Geliebte gleichzeitig haben, dies ist jedoch eher unüblich. Die Kinder, die aus einer Liebschaft hervorgehen, bleiben in der Familie der Mutter, sodass der Vater oft mehr Bezug zu den Kindern seiner Schwester(n) oder Cousine(n) als zu seinen eigenen hat. Dadurch fällt ebenfalls die finanziellen oder sozialen Verpflichtungen für die gezeugten Kinder weg.
Diese Lebensweise hat sich in jüngster Zeit jedoch etwas gewandelt, da gerade die jüngere Generation nicht mehr nur von der Landwirtschaft oder Tourismus leben, sondern in der Stadt Arbeit finden möchte.

Und damit komme ich auch schon zum eigentlichen Trip. Caro und ich haben beide einen Nachtzug, sie von Kunming und ich von Chengdu aus, nach Xichang genommen. Von dort geht es dann mit dem Bus weiter zum Lugu-See. Im Prinzip fährt man die ganze Zeit durch Gebirgszüge mitten im Nichts, lediglich in der Mitte der Strecke gibt es eine etwas größere Stadt namens Yanyuan. Für die 290 Kilometer braucht man mit Pausen mindestens sechs Stunden. Am See angekommen zahlt man erst mal 100 Yuan Eintritt. Um den See verteilt gibt es dann mehrere kleine Dörfer, unsere Unterkunft lag am nordwestlichen Ende des Sees und hieß Lige. Die Dörfer bestehen hauptsächlich aus Hotels, Hostels und Restaurants. Viele Touristen mieten sich ein Auto oder Fahrrad und fahren die Strecke um den See ab, da es immer wieder schöne Aussichtspunkte gibt. Wir haben uns für die deutliche günstigere Fahrrad-Variante entschieden, jedoch sollte man dafür Fahrradfahren mögen und vor allem einigermaßen sportlich sein. Ein großer Teil der Strecke ist zwar recht flach, der Teil um Lige ist jedoch ein ständiges Auf und Ab. Ebenfalls kann man für etwas Geld an vielen Stellen eine Bootstour machen und da im See selbst einige Inseln liegen, Inselhopping machen. Außerdem gibt es ein Musuem über die Mosuo.

Wettertechnisch konnten wir uns ebenfalls nicht beschweren, morgens und abends zwar ziemlich kalt, aber dafür den ganzen Tage blauer Himmel und Sonnenschein. Wir wären beide gerne noch länger geblieben, aber da die Anreise recht lange dauert und Caro und ich beide Uni haben, hatten wir insgesamt nur eineinhalb Tage Zeit den Lugu-See zu entdecken. In der kurzen Zeit sind wir trotzdem auf viele wirklich freundliche Menschen getroffen und konnten uns mit unserem Chinesisch (wenn auch mit einigen Schwierigkeiten) durchschlagen. Mein persönliches „Highlight“ war auf der Rückfahrt, als ich zufällig beobachtet habe, wie ein Mann einfach eine riesige Kiste mit Müll in den neben der Autostrecke entlangfließenden Bach gekippt hat. Ich würde mal behaupten, jetzt habe ich alles gesehen.

Und wer sich das ganze noch als Video anschauen möchte, dem wünsche ich ganz viel Spaß beim Anschauen!

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