Südkorea – Von Seoul, über Jeju Island nach Busan

Eine Besonderheit in der chinesischen Provinz Shandong zu leben, ist die Nähe zu Korea. Vor allem die Städte Weihai und Qingdao sind bei koreanischen Chinesischstudenten und Touristen relativ beliebt. Daher gibt es auch grade in diesen Regionen stark koreanisch beeinflusste Viertel mit beispielsweise koreanischen Restaurants und Karaoke-Bars. Lange Zeit hatte ich kein besonders großes Interesse an Korea, nachdem jedoch in Qingdao die Hälfte meiner Klasse aus Koreanern bestand und mein Mitbewohner auch aus Korea kam, lernte ich schnell mehr über die koreanische Kultur und Korea rückte nach ganz oben auf meiner Liste. Und so ging es im November letzten Jahres für acht Tage in Chinas Nachbarland.

Korea war bis ins 19. Jahrhundert stark von China beeinflusst, nicht zuletzt auch deshalb weil es ab 1637 ein Vasallenstaat der Qing-Dynastie (1644-1912) wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich Japan endgültig als dominante Kraft in Asien durch und Korea wurde bis zur Kapitulation des Japanischen Kaiserreichs 1945 Protektorat Japans. Mit Ende des 2. Weltkriegs geriet Korea zwischen die Interessen der beiden Siegermächte Sowjetunion und USA, sodass das Land entlang des 38. Breitengrades aufgeteilt wurde. Im Jahre 1948 entstand die Republik Korea (Südkorea) und die Demokratische Volkrepublik Korea (Nordkorea). Im Sommer 1950 versuchte Nordkorea Südkorea zu erobern, woraus der dreijährige Koreakrieg entstand, doch selbst nach dem offiziellen Waffenstillstand 1953 gab es immer wieder bewaffnete Zwischenfälle. Nordkorea gilt als weltweit restriktivstes politisches System der Gegenwart, bis heute versuchen beide Länder eine koreanische Wiedervereinigung anzustreben.

  1. Seoul

    Meine Reise begann zunächst in der Hauptstadt Südkoreas. Seoul liegt im Norden des Landes und ist eine 10,5 Millionen Einwohner Stadt, damit ist sie gleichzeitig auch die größte Stadt ganz Koreas. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören Seoul Tower, der Gyeongbokgung und Changdeokgung Palast, der Nationalpark Bukhansan und eine Reihe interessanter Museen wie das War Memorial of Korea Museum oder das Nationalmuseum. Außerdem kann man von Seoul aus eine Tagestour zur Demilitarisierten Zone und Grenze zu Nordkorea machen.

    An meinem ersten Tag habe ich zunächst den Gyeongbokgung Palast besichtigt und bin anschließend über die Insa Dong Art Street weiter Richtung Innenstadt und Myeongdong Kathedrale spaziert. Interessanterweise sind ungefähr 17% der Koreaner Christen, die Mehrheit der Koreaner bekennt sich allerdings zu keiner Religion. Als es langsam dunkel wurde schlenderte ich noch durch das Myeongdong Shoppingviertel, eines der größten Einkaufsviertel Seouls. Dort findet man eigentlich alles was das Herz begehrt, von bekannten Marken bis zu lokalen No-Name Geschäften, von Restaurants mit Gerichten aus aller Welt bis zu kleinen Straßenständen mit koreanischen Spezialitäten. Dazu kommen Hunderte von Menschen und viele bunt blickende Lichter, was dem ganzen etwas von taiwanesischem Nachtmarkt Flair verleiht.

    Am zweiten Tag ging es zunächst zum Hangang Park, ein Parkkomplex am Han-Fluss, der durch Seoul fließt und der zweitlängste Fluss Südkoreas ist. Dort kann man wunderbar dem Trubel der Stadt entkommen und da ich an diesem Tag auch Glück mit dem Wetter hatte konnte ich etwas die Sonne genießen. Anschließend fuhr ich mit der U-Bahn ins Hongdae Viertel. Benannt wurde es nach der Hongik-Universität und gilt mittlerweile als eines der hippsten Viertel Seouls mit einer ausgeprägten Kunst- und Kulturszene.

    Für den dritten Tag in Seoul hatte ich eine Tagestour zur Demilitarisierten Zone (DMZ), also zum Grenzgebiet von Nord- und Südkorea gebucht. Die Tour gehörte definitiv zu meinen Highlights und ich kann sie nur weiter empfehlen. Das Grenzgebiet ist von Seoul aus in ungefähr einer Stunde erreichbar, in der Zone selbst haben wir insgesamt vier Stopps eingelegt. Zunächst am Imjingak-Dorf, wobei Dorf wahrscheinlich übertrieben wäre, von wo man auf die sogenannte „Freedom Bridge“ schauen und die Freiheitsglocke besichtigen kann. Danach ging es weiter zum 3. Infiltrationstunnel, der erst Ende der 70er Jahre entdeckt wurde und einen von bisher vier entdeckten Infiltrationstunneln darstellt. Die Tunnel wurden von den Nordkoreanern erbaut, um Seoul in einem Überraschungsangriff zu überwältigen. Den 3. Infiltrationstunnel kann man besichtigen, sodass man bis auf ungefähr 2m Abstand an die eigentliche Grenze herankommt. Danach ging es weiter zum sogenannten Dora-Observatorium, von dort aus kann man über die Grenze nach Nordkorea schauen. Insgesamt sieht man zwei Dörfer und bei klarem Wetter in der Ferne die Stadt Kaesong. Eines der Dörfer dient jedoch lediglich zu Propagandazwecken, dort leben keine Menschen. Als letztes fuhren wir noch zum Dorasan Bahnhof, der zuletzt 2013 wiedereröffnet wurde und Süd- und Nordkorea verbindet. Südkorea hofft, dass der Bahnhof in Zukunft tatsächlich zu diesem Zweck genutzt wird, denn aktuell fahren dort nur Züge von und nach Seoul.
    Wieder mit dem Bus in Seoul angekommen, machte ich noch einen kurzen Abstecher in das recht bekannte Stadtviertel Gangnam, ehe es zurück ins Hostel und am nächsten Morgen früh zum Flughafen ging.

  2. Jeju Island

    Die Vulkaninsel Jeju liegt im Süden von Korea und ist gleichzeitig die größte Insel Koreas. Es gibt nur zwei Städte; Jeju-Stadt im Norden und Seogwipo-si im Süden der Insel. Zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten gehören die Halbinsel Seongsan Ilchulbong im Osten, der Berg Hallasan in der Mitte der Insel, der Lavatunnel Manjanggul östlich von Jeju-Stadt und der Cheonjiyeon Waterfall in Seogwipo-si. In Jeju-Stadt gibt es außerdem noch den sehr sehenswerten Dongmun Markt, abends trifft man dort in der sonst eher ruhigen Stadt viele Menschen und kann sich durch ein paar koreanische Spezialitäten durchprobieren.
    Insgesamt hatte ich zwar drei volle Tage auf der Insel, jedoch hat es einen kompletten Tag nur geregnet weshalb ich nicht so viel besichtigen konnte wie geplant. Wer Zeit hat, sollte auf jeden Fall mehr als drei Tage auf der Insel einplanen, da das Wetter oft schnell umschlagen kann und es wirklich viel zu sehen gibt. Außerdem ist das Busnetz zwar recht gut ausgebaut, jedoch dauert es relativ lange bis man auf der Insel von einem Ort zum anderen kommt, da die Busse oft halten.

  3. Busan

    Zwei Tage vor meinem Rückflug nach Qingdao, ging es morgens mit dem Flieger noch in die im Südosten gelegene Stadt Busan. Sie ist die zweitgrößte Stadt Koreas und vor allem bei jungen Menschen sehr beliebt. In der Stadt selbst gibt es nicht so viele Sehenswürdigkeiten, für die meisten muss man mit der U-Bahn oder mit dem Bus etwas weiter aus der Stadt herausfahren. Darunter fallen beispielsweise der Haeundae Strand, der Haedong Yonggungsa Tempel und das Gamcheon Kulturdorf. Letzteres ist ein kleines Dorf, dass aus vielen buntbemalten Häuschen besteht und mit den künstlerisch gestalteten Gassen und Sträßchen viele Touristen anlockt. Leider war ich selbst nicht dort, sondern habe nur Fotos von Hostelbekanntschaften gesehen. In Busan selbst ist der Jagalchi Fischmarkt wohl einer der Hilghlights, auch wenn ich nicht der größte Fischfan bin, trotzdem hat mich allein die Größe des Marktes umgehauen. Und der Geruch. Neben dem „Straßen“-Fischmarkt gibt es noch zwei oder drei große Hallen in denen man unten frisch den Fisch kaufen und ihn dann oben in einem der Restaurants direkt zubereiten lassen kann. Bei Nacht ist außerdem die Gwangan Brücke recht sehenswert, diese kann man am besten vom Gwangalli Strand beobachten. Ein weiteres Highlight ist definitiv auch das Nachtleben Busans, welches man in gleich mehreren Stadtvierteln erleben kann. Mein Hostel lag in der Nähe von Seomyeon, eines der kommerziellen Zentren Busans und mit einer vom Hostel organisierten Bar-Hopping-Tour hatte ich eine ziemlich erlebnisreiche Nacht.

Insgesamt hat mir Korea recht gut gefallen, auch wenn ich teilweise etwas enttäuscht war wie viel Ähnlichkeit das Land und die Kultur dann doch noch zu China hat. Was, wenn man sich die Geschichte anschaut, natürlich sehr nachvollziehbar ist. Für mich war es außerdem recht interessant das Land zu bereisen, welches in Asien im Prinzip eine Art Vorbildsfunktion hat und beispielsweise in Sachen Mode, Kosmetik und Schönheit den Ton angibt. Aber auch im Westen zieht Korea immer mehr Aufmerksamkeit auf sich, sei es durch die neuartige K-Pop Trendwelle, koreanische Dramaserien, kuriose Kosmetikprodukte oder das Essen. Nach meinem Besuch kann ich das steigende Interesse an der koreanischen Kultur sehr gut nachvollziehen.

 

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