Luoyang (洛阳) und Jiaozuo (焦作) – Wie ich die Gastfreundschaft der Henaner kennenlernte

Da ich in letzter Zeit etwas schreibfaul war, musste der Beitrag über den letzten Stopp meiner Reise leider etwas warten. Um etwas Klarheit in die zeitliche Reihenfolge zu bringen, zwischen Xi‘an und Peking war ich schon mal in der Provinz Henan (河南), nämlich in der kleinen Stadt Luoyang. Nach Peking ging es dann wieder zurück nach Henan, dieses mal nach Jiaozuo. Einfachheitshalber habe ich beide Orte in einem Beitrag zusammengefasst.

Verbringt man ein paar Tage in Xi‘an, eignet sich Luoyang perfekt als Ein-Tages-Ausflug. Mit dem Schnellzug ist man innerhalb von eineinhalb Stunden in der 300 Kilometer entfernten 7 Millionen Einwohner Stadt. Luoyang ist einer der vier großen alten Haupstädte und war Zentrum der Han-, Wei- und Jin-Dynastie. Bekannt ist die Stadt vor allem für den ersten in China errichteten buddhistischen Tempel, der Tempel des Weißen Pferdes und die Longmen Grotten (龙门石窟). Mein ursprünglicher Plan war es beide Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, jedoch hatte ich im Endeffekt nur Zeit die Longmen Grotten zu sehen.

Vom Longmen Bahnhof im Süden Luoyangs gelangt man in ein paar Minuten mit dem Taxi zum Haupteingang der Grotten. Sie zählen zu den vier wichtigsten buddhistischen Grotten Chinas, wobei die Bezeichnung Grotten nicht ganz zutreffend ist, da es sich eher um konkave Wölbungen handelt. Diese Wölbungen gibt es in allen möglichen Größen und beinhalten vor allem von Hand in den Felsberg gemeißelte Buddhas, Bodhisattvas und andere Skulpturen. Der Hauptteil der Grotten befindet sich auf der rechten Seite des Yi Flusses, auf der anderen Seite gibt es einen weiteren kleinen Teil mit Grotten sowie das Xiangshan-Kloster und einen Garten. Der Bau der Grotten begann bereits im Jahre 493 und dauerte insgesamt über 400 Jahre, insgesamt gibt es 2345 Nischen und über 100.000 Buddhas. Man kann insgesamt also sehr viel Zeit damit verbringen sich jede Nische genau anzuschauen. Vielen Figuren fehlt mittlerweile jedoch der Kopf oder mindestens die Nase, teilweise da sie geklaut wurden.

Anschließend ging es mit dem Bus zum Hauptbahnhof Luoyangs und von dort aus weiter nach Peking. Meinen Beitrag zu Chinas Hauptstadt könnt ihr hier lesen.

Von Peking aus ging es schließlich um 3 Uhr morgens mit dem Zug nach Jiaozuo. Da das chinesische Frühlingsfest kurz bevor stand und dadurch so gut wie alle Verkehrsmittel ausgebucht waren, hatte ich dieses Mal auch keine bequeme Liege, sondern nur einen Sitzplatz. Da ich bis jetzt immer mit recht komfortablen Zügen gefahren bin, dachte ich für 10 Stunden wäre das schon machbar. Im Endeffekt war es die schlimmste Zugfahrt meines Lebens; der Sitz war eine kleine ungepolsterte Bank, die ich mir mit einer anderen Person teilte und es war dreckig, laut und kalt, da es keine Heizung gab. Schlafen konnte ich dank eines 90 Dezibel Schnarchers gegenüber von mir auch nicht wirklich.

Gegen Ende der Fahrt kam ich jedoch mit einigen Mitfahrern ins Gespräch, unter anderem mit meiner Sitzbachbarin. Sie war ebenfalls auf dem Weg nach Jiaozuo, ihrer Heimatstadt, um mit ihrer Familie das Frühlingsfest zu feiern. Da ihr Vater sie vom Bahnhof abholen würde, bot sie mir an mich noch zu meinem Hotel zu fahren und lud mich sogar abends zum Essen zu sich nach Hause ein. Am Hotel angekommen wartete eine eher weniger erfreuliche Überraschung, da mir die Damen ab der Rezeption mitteilten dieses Hotel wäre nur für Chinesen zugänglich. Doch auch hier half mir meine Sitznachbarin und hinterlegte ihre chinesische ID-Karte. Abends holte mich ihr Vater dann aus der Stadt ab und ich durfte ein wirklich leckeres chinesisches Abendessen genießen. Und für meine Rückfahrt war ebenfalls durch einen Freund der Familie gesorgt. Diese Gastfreundschaft und Freundlichkeit werde ich wohl nicht so schnell vergessen.

Aber was gibt es eigentlich besonderes in Jiaozuo? Die Antwort heißt Yuntaishan 云台山), ein wunderschönes Naturgebiet im Norden der dreieinhalb Millionen Einwohner Stadt. In China ist jede Sehenswürdigkeit mit bis zu fünf Sternen (As) bewertet, jede Provinz hat dabei ungefähr zwei oder drei „AAAAA Scenic Spots“. Sowohl die Longmen Grotten in Luoyang als auch der Berg Yuntai in Jiaozuo gehören in der Provinz Henan dazu. Insgesamt gibt es in dem riesigen Gebiet viele verschiedene Dörfer, Täler und Bergkuppen zu bewandern. Da ich jedoch nur einen vollen Tag Zeit hatte, entschloss ich mich dazu meine Wanderung auf drei Bereiche des Gebietes zu begrenzen. Von Vorteil ist es, dass mit dem Bus bequem von Gebiet zu Gebiet fahren kann.

Der erste Bereich bestand aus drei Tälern; dem Makake-Tal (猕猴谷), dem Tanpu-Tal (潭瀑峡) und dem Quanpu-Tal (泉瀑峡). Die Täler sind jeweils ein, zwei und drei Kilometer lang, sodass es nicht lange dauert sie zu durchwandern. Wie der Name des Makake-Tals schon andeutet, gibt es dort wilde Affen. Die lassen sich von den Touristen jedoch wenig stören und laufen scharenweise mitten auf den Wegen umher, was für mich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig war.

Die andern beiden Täler sind landschaftlich jedoch etwas spannender, sie führen beide an einem Bach entlang und aufwärts. Auf dem Weg kann man Wasserbecken mit blauem Wasser, kleine und große Felsen sowie kleine Wasserfälle in der Mitte des Bachs oder seitlich an den Felswänden entdecken. Und da es ziemlich kalt war, gab es auch einige gefrorene Wasserfälle. Im Quanpu-Tal befindet sich angeblich auch der höchste Wasserfall Chinas, jedoch konnte ich diesen nirgendwo entdecken.

Anschließend fuhr ich mit dem Bus durch die Diecai-Höhlen (叠彩洞) zur Zhuyu Bergspitze (茱萸峰), dem höchsten Punkt des Gebiets. Diese ist ungefähr 1297m hoch, aber da der Bus schon den meisten Teil der Strecke bewältigt, dauert es nur eine halbe Stunde bis man wirklich ganz oben ist. Dort befindet sich dann eine daoistische Tempelanlage, von der aus man eine schöne Aussicht über weite Teile des Gebietes hat. Eigentlich gelangt man von der Spitze über einen kleinen Weg auch zu einer Bergkuppe an der eine Glasbrücke befestigt ist, jedoch war der Bereich an diesem Tag leider geschlossen.

Als letzten Bereich hatte ich mir die Rote-Stein-Schlucht (红石峡) ausgesucht, welche definitiv zum Highlight meines Ausflugs wurde. Auch dieser Teil führt an einem kleinen Fluss entlang mit vielen kleinen Wasserfällen. Die Felsen der Schlucht sind größtenteils über eine Milliarde Jahre alt und sind durch die leicht rötliche Farbe sehr schön auszusehen. Ganz am Ende der Schlucht gab es außerdem einen riesigen gefroren Wasserfall.

Gegen 17 Uhr kam ich schließlich wieder am Ausgang des Yuntai-Berges an und wollte mich auf den Heimweg machen. Zwar hatte mir die nette Familie aus Jiaozuo angeboten mich auch wieder abzuholen, jedoch wollte ich sie nicht auch nicht schon wieder belästigen und außerdem gab es einen Bus zurück in die Stadt. Dachte ich zumindest, wie sich herausstellte fuhren seit Monaten keine Busse mehr, da irgendeine Straße wohl kaputt sei. Also stand ich nun da und wusste nicht wie ich zurückkommen sollte. Ich sah wohl sehr verzweifelt aus, denn irgendwann hielt ein Auto neben mir und ein junger Chinese, ein Mitarbeiter des Naturgebiets wie sich herausstellte, fragte mich in recht gutem Englisch wo ich denn hin müsse und ob er mich mitnehmen sollte. Dankbar nahm ich sein Angebot an und er fuhr mich sogar bis zu meinem Hotel zurück. Als ich ihm etwas Geld geben wollte, bestand er darauf es nicht anzunehmen. Mittlerweile fühlte ich mich fast schon schlecht weil ich mich bei so vielen Dingen nun schon kostenlos durchgemogelt hatte, was mein Erlebnis beim Abendessen auch nicht besser machte. Nachdem ich im Hotel geduscht hatte, machte ich mich auf die Suche nach einem Restaurant und da in China die ungeschriebene Regel „je voller der Laden, desto besser das Essen“ gilt, landete ich in einem japanischen Restaurant, in dem schon sehr viele Leute auf einen Tisch warteten. Ich hätte kein Problem damit gehabt auch zu warten, jedoch meinte die Bedienung sofort zu mir, sobald der nächste Tisch frei wird, darf ich mich setzen. Ich wollte ablehnen, doch die Bedienung bestand darauf. Die bösen Blicke der anderen noch wartenden Gäste als ich mich dann tatsächlich hingesetzt hatte, werde ich wohl nie vergessen. Verfluchter Ausländer-Bonus.

Am nächsten Tag ging es dann nach Zhengzhou (郑州), der Hauptstadt von Henan und von dort mit dem Flieger zurück nach Chengdu. Und auch wenn ich nur zwei Wochen unterwegs war, es fühlt sich doch nichts besser an als nach Hause zu kommen. Insgesamt haben mir alle Orte, die ich besucht habe sehr gut gefallen und den Norden Chinas im Winter zu bereisen war definitiv ein Erlebnis.

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